Märkischer Kreis

Berufsfelderkundung im Handwerk

»Wir brauchen Macher mit Spaß an der Arbeit!«
Kein Abschluss ohne Anschluss – Übergang Schule-Beruf in NRW


Kein Abschluss ohne Anschluss – nach diesem Motto ist in Nordrhein-Westfalen ein landesweit verbindliches Übergangssystem eingeführt
worden. Spätestens ab Klasse 8 erhalten alle Schüler aller Schulformen eine verbindliche, systematische Berufs- und Studienorientierung.
Ergänzend zum Unterricht werden den Schülern Berufsfelderkundungen und Praktika ermöglicht, um verschiedene Berufsfelder kennenzulernen.

Auch Innungsfachbetriebe der Kreishandwerkerschaft Märkischer Kreis beteiligten sich an der ersten Runde der Berufsfelder- kundung im Februar
2014 im Märkischen Kreis. Als Best-Practice-Beispiel lesen Sie in dieser Ausgabe über die Erfahrungen der Schuster GmbH, die mehrere Schüler für
einen Tag bei sich aufnahm. Michael  Herget  vom  Regionalen  Bildungsbüro des Märkischen Kreises sprach mit André Laucht, Geschäftsführer der
Schuster GmbH (Foto).
Michael Herget: Herr Laucht, stellen Sie Ihren Betrieb bitte kurz vor.
André Laucht: Wir sind ein Sanitär- Heizung und Elektro-Installationsbetrieb mit 13 Mitarbeitern und auf Altbausanierung, Kundendienst und Heizungserneuerung im Bereich regenerativer Energien spezialisiert. Herget: Welche Berufe bilden Sie aus? Laucht: Anlagenmechaniker, Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik. Herget: Welche Kriterien muss ein Auszubildender bei Ihnen erfüllen? Laucht: Es reicht grundsätzlich ein Hauptschulabschluss, denn die Jungs sind zumeist sehr pfiffig und mit großem Interesse an der handwerklichen Arbeit dabei. Wichtig ist räumliches Vorstellungsvermögen, eine grundlegende handwerkliche Begabung und Freude daran, etwas entstehen zu lassen. Wir brauchen Macher mit Spaß an der Arbeit! Herget: Was war für Sie der Beweggrund, bei der Berufsfelderkundung mitzumachen? Laucht: Der akute Fachkräftemangel. Es ist extrem schwierig, Auszubildende zu finden. Dann auch noch einen guten Auszubildenden zu finden, das ist noch schwieriger. Zudem wollen viele junge Leute ganz schnell wieder abwandern, bevor sie überhaupt wissen, was Handwerk bedeutet. Herget: Also bevor sie überhaupt reingeschnuppert haben?
Laucht: Genau. Und deswegen müssen wir früher anfangen, Jugendliche über das Handwerk aufzuklären. Herget: Wie haben Sie den Tag organisiert, damit die Schüler auch im laufenden Betrieb etwas über das Handwerk erfahren? Laucht: Zuerst haben wir die Erwartungen an den Tag durchgesprochen. Jeder konnte Wünsche äußern, was er gerne sehen möchte. Anschließend stand eine Besichtigung des Lagers inklusive Material und Werkzeugen auf dem Programm. Gemeinsam mit einem Mitarbeiter sind die Schüler dann für zwei bis drei Stunden zur Baustelle gefahren und haben dort Kundendienst, Badsanierung oder Elektroarbeiten miterlebt – je nach Auftragslage. Gegen Mittag haben wir uns zu einer kleinen Nachbesprechung getroffen und durch gezielte Fragen die Aufmerksamkeit und das Interesse überprüft. Außerdem hatten die Schüler die Gelegenheit, sich in einer Fragerunde über alles Nötige rund um den Beruf zu informieren. Hinterher gab es ein kleines Präsent als Andenken. Herget: Das hört sich nach einem straffen Zeitplan an. Laucht: Der Tag war auf jeden Fall durchorganisiert. Die jungen Leute einfach nur zwei bis drei Stunden irgendwo abzustellen bringt nichts. Da gewinnt man keinen Nachwuchs durch. Zeitintensiv ist das schon, aber man muss etwas tun. Herget: Wie haben sich die jungen Leute präsentiert? Laucht: Alle waren supernett, keiner muffelig. Alles feine Jungs mit verschiedenen Charakteren. Der eine ist etwas aufgeweckter, der andere etwas stiller. Die waren auf jeden Fall interessiert und das ist wichtig. Herget: Sie hatten nicht das Gefühl, die sitzen hier ihre Zeit ab, weil sie müssen? Laucht: Nein. absolut nicht. Herget: Hat sich aufgrund der Berufsfelderkundung schon schon jemand für ein Praktikum interessiert? Laucht: Ja, tatsächlich hat sich bereits ein Schüler für ein dreiwöchiges Praktikum angemeldet. So sollte das ablaufen, so finde ich es gut! Herget: Würden Sie wieder mitmachen? Laucht: Ja, auf jeden Fall. Herget: Ihr Fazit zum Thema Berufsfelderkundung? Laucht: Eine sehr gute Sache! Ich glaube, wir müssen alle was tun, sonst wird´s schwierig. Die jungen Leute wandern gerne ab in die Industrie oder wollen studieren. Wenn alle nur noch entwickeln, wer soll die Teile dann noch einbauen?

Informationen zur Berufsfelderkundung im  Märkischen  Kreis  finden  Sie  unter www.berufsfelderkundung-mk.de

 

Quelle: "Faszination Handwerk" 12/2014